Opfer und Täter
Der zweite Teil der ORF III-Neuproduktion geht der Frage nach, warum sich Angehörige der Wehrmacht zu Werkzeugen der NS-Vernichtungsideologie machen ließen.
Der zweite Teil der ORF III-Neuproduktion "Mit Hitler im Krieg" geht der Frage nach, warum sich Angehörige der Wehrmacht zu Werkzeugen der NS-Vernichtungsideologie machen ließen, wie militärische Verbände einen schützenden Rahmen für Kriegsverbrechen abgaben und wie Wiederaufbau und Kalter Krieg eine Aufarbeitung der Geschehnisse hemmten. Der Film lässt exemplarisch einige der besonders "prominenten" Kriegsverbrecher Revue passieren. Briefe eines einfachen Soldaten geben unverblümte Einblicke in die allgemeine Verrohung an der Ostfront und die ungenierte Beteiligung an Kriegsverbrechen. Manche SS-Schergen, wie Friedrich Kranebitter, kamen ungeschoren davon. Generaloberst Lothar Rendulic, der in Jugoslawien verurteilt und später wieder entlassen wurde, war bald für politische Funktionen im Gespräch, unter anderem als FPÖ-Parteiobmann. Österreich ist nach dem Krieg die Aufarbeitung der Gräueltaten sehr schwer gefallen. Die Politik war Treiber des Verschweigens und Zudeckens. Ehemalige NSDAP-Mitglieder saßen noch Jahrzehnte nach Kriegsende in hohen Ämtern, sogar in der Regierung. Die offizielle Begrüßung des in Bologna verurteilten SS-Sturmbannführers Walter Reder nach der Haftentlassung, die breite Diskussion rund um die Kriegsvergangenheit von Bundespräsident Kurt Waldheim und die Debatten um die Ausstellungen zu Verbrechen der Wehrmacht 1995 und 2002 waren die markantesten Eckpunkte der schwierigen Aufarbeitung. Österreich hatte lange daran zu kauen, es dass es nicht nur Opfer war, sondern auch Täter hatte.